Mehr Sorgfalt beim Einbau von Feuerabschlüssen

Mehr Sorgfalt beim Einbau von Feuerabschlüssen

Der falsche Einbau von Brandschutztüren kann Leben kosten

Immer noch kommen in Deutschland Menschen bei Bränden zu schaden. Auch wenn der Brandschutz bei der Gebäudeerstellung eine wichtige Bedeutung einnimmt und die Vorschriften in  Deutschland umfangreich sind, kommt es immer wieder zu Unglücken, die durch eine sorgfältige Umsetzung der Vorschriften hätten vermieden werden können. Die mangelnde Sorgfalt beim Einbau von Brandschutzelementen und nicht durchgeführte Wartungen an Feuerschutztüren sind immer wieder anzutreffen und zu beobachten. Es ist ein reiner Glücksfall, dass es nicht häufiger zu Personenschäden kommt. Viele Betreiber von Gebäuden sind sich darüber hinaus nicht über die rechtlichen Konsequenzen bewusst. Egal ob Krankenhaus, Mehrfamilienhaus, Gaststätte, Eisdiele oder Stehimbiss, jedes gewerblich betriebene oder öffentliche Gebäude, aber auch das private Eigenheim muss Auflagen im Bereich Brandschutz erfüllen. Dazu gehört neben dem korrekten Einbau von Brandschutzelementen auch die regelmäßige Wartung. Kommt es zum Schadensfall wird zunächst geprüft, ob der Betreiber eines Gebäudes seiner Pflicht eventuell nicht nachgekommen ist.

Das Problem beginnt häufig schon bei der Erstellung eines Gebäudes. Hersteller von Feuerschutzabschlüssen wie Brandschutztüren oder Rauch-schürzen geben genau vor, wie die Montage zu erfolgen hat. Sehr viele Monteure sind sich Ihrer Verantwortung nicht bewusst, wenn sie eine Feuer- und oder Rauchschutztüre montieren. Sachverständige im Gewerk Feuerschutztüren und Brandschutzsachverständige treffen immer wieder auf Feuerschutztüren, die im Schadensfall die ihr zugedachte Schutzfunktion aufgrund falscher Montage oder fehlender Wartung nicht erfüllen können. So ist in Versuchen nachgewiesen worden, dass zum Beispiel eine falsch in eine Wand und nicht zulassungkonform hinterfütterte T-30 Türe, dem Feuer keine 30 Minutenlang widersteht und so die Rettung von Menschen und Tieren ermöglicht, sondern bereits nach wenigen Minuten ihren Dienst versagt. Feuer und Rauch können sich dann ungehindert im Gebäude ausbreiten und eine Rettung unmöglich machen. „Es kommt immer wieder vor, dass wir zu Nachbesserungsarbeiten heran gerufen werden. Nicht selten müssen wir dann Brandschutztüren oder andere Elemente demontieren und völlig neu einbauen“, erläutert Heiko Rinker, Prokurist bei der Czotscher GmbH. Da dies nicht ohne weiteres und nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen darf, werden diese Arbeiten vorab mit dem Sachverständigen abgestimmt, begleitet und abgenommen.

Der sorgfältge Einbau schützt vor schlimmen Folgen

Ein sorgfältiger Einbau von Brandschutzelementen ist zu einem Dumpingpreis nicht möglich. Qualität hat ihren Preis. „Ausgebildete Monteure können nicht für einen Dumpinglohn arbeiten. Die Kosten müssen weitergegeben werden“, erläutert Heiko Rinker.

Niemand wird bei der Wartung eines Flugzeugs an der Notwendigkeit einer soliden Ausbildung des Monteurs rütteln wollen. Aber wie sieht es auf dem Bau aus? Was ist, wenn der mangelhafte Einbau erst durch eine Untersuchung nach einem Brandfall ans Tageslicht kommt? Immer noch sterben in Deutschland jährlich rund 600 Menschen durch Brände. 95% dieser Menschen sterben durch Rauchgase, rund 66.000 Menschen werden durch Brände verletzt, 10% davon schwer. Jedes dritte Opfer ist ein Kind. Das sind Zahlen, die wachrütteln sollten. Ist es wirklich so klug, bei der Vergabe von Montageaufträgen immer nur auf den Preis zu schauen?

Alles nimmt seinen Anfang bei der Prüfung der Gegebenheiten und einem korrekten Aufmaß. So darf die Wandöffnung zum Beispiel für eine Feuerschutztür mit Eckzarge und dem Baurichtmaß 1,0 m * 2,0 m als Nenngröße im Mauerwerk gemäß DIN 18100 nicht größer als 1,02 m in der Breite und 2,015 m in der Höhe sein. Werden diese Maße überschritten, ist es nicht ausreichend die Öffnung mit Mörtel auszufüllen. Entweder ist die Öffnung fachgerecht, also im Verbund mit dem restlichen Mauerwerk zu verkleinern, oder eine Türe in Sondergröße einzubauen. Auch ist die richtige Auswahl der Türe für die Gegebenheiten zu beachten. Nicht jede Feuerschutztüre kann z.B. in eine Trockenwand eingebaut werden.

Der Häuslebauer der sich im Baumarkt eine Standardtüre der einfachsten Baureihe, H-8-5 mit vierseitiger Eckzarge kauft sollte beachten, dass diese nur für die Montage in eine Mauerwerkswand mit einer Stärke von > 115 mm und einer Betonwand mit einer Stärke von mindestens 100 mm verwendet werden darf. Für andere Wände besitzt diese Türe keine Zulassung. Selbstverständlich ist die Befestigung und Hinterfütterung zwischen Zarge und Mauerwerk gemäß der Zulassung auszuführen. Die korrekte Montage ist in der Übereinstimmungserklärung zu bestätigen.

Um bei dem Beispiel der H-8-5 Türe zu bleiben, ist in der Montageanleitung z. B. eine Verdübelung mit einem bauaufsichtlich zugelassenen Nylondübel mit 10 mm Stärke und 80 mm Länge vorgeschrieben, kann man diese nicht durch eine Befestigung mit Nageldübeln ersetzen. Ebenso kann die zwischen Wand und Zarge mit einem Zementmörtel vorgegebene Vermörtelung nicht durch einfachen Bauschaum ersetzt werden.

Zulassung: so wichtig wie ein Fahrzeugschein

Jeder Brandschutztür ist neben einer Montageanleitung eine Zulassung beigelegt. Dies ist kein Altpapier, wie regelmäßig zu beobachten, sondern dieses Papier gehört zu jeder Türe, wie der Fahrzeugschein zum Auto. Nach der erfolgten Montage muss der Montagebetrieb oder Monteur die der Zulassung anhängende Übereinstimmungserklärung ausfüllen. Hierin bestätigt der Monteur dem Bauherren, dass die Feuerschutztüre gemäß der Zulassung eingebaut wurde. Im Schadensfall kann der Monteur so zur Rechenschaft und zum Schadensersatz herangezogen werden. „Neben den eigentlichen Montagearbeiten verursacht auch die Dokumentation Kosten. Unsere Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass gerade die Dokumentation von Montagearbeiten von Bauherren sehr geschätzt wird“, berichtet Heiko Rinker von der Czotscher GmbH.
Die Zulassung und Übereinstimmungserklärung sowie die Wartungs- und Pflegeanleitung gehören zu einer ordnungsgemäßen Dokumentation. Diese Unterlagen müssen dem Bauherren übergeben werden. Die Wartungs- und Pflegeanleitung ist fast immer in der Montageanleitung enthalten. Über die Landesbauordnungen und die Wartungsanleitung ist eine jährliche Prüfung und Wartung durch fachkundiges Personal vorgeschrieben. Doch wer lässt seine Feuerschutztüren jährlich warten?
Man sollte als Bauherr oder Betreiber eines Unternehmens bedenken, dass im Brandfall, auch wenn glücklicherweise keine Personen zu Schaden gekommen sind, die Versicherung ihre Leistungen versagen können, wenn die Feuer- und oder Rauchschutzabschlüsse nicht gewartet wurden.
Niemand möchte im Brandfall selber hinter einer Türe stehen, bei welcher durch eine falsche Montage oder aufgrund mangelnder Wartung Feuer und Rauch nach innen durchdringt. Leib und Leben hängen von solchen Bauteilen ab. Wer kauft ein Auto ohne Fahrzeugschein, oder fährt ein Fahrzeug mit defekten Bremsen? Niemand, da man sich der Konsequenzen bewusst ist. Bei Feuerschutzabschlüssen fehlt diese Sensibilisierung unverständlicherweise noch. Schützen diese doch tagtäglich unser Leben.
Die Montage von Feuer- und Rauchschutzabschlüssen ebenso wie die Prüfung, Wartung und Reparatur darf nur durch ausgebildete Fachleute ausgeführt werden, oder gibt jemand sein Auto für eine Inspektion zum Friseur?

Autor:

Josef Faßbender hat über 30 Jahre Berufserfahrung als selbständiger Metallbauer. An vielen Projekten konnte er später als Bauleiter wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Privatkunden ebenso wie GU’s oder Kommunen sammeln. Er ist von der Handwerkskammer Aachen als Sachverständiger für das Metallbauerhandwerk  öffentlich bestellt und vereidigt. Der IHK geprüfte Projektleiter ist mittlerweile ausschließlich bundesweit als Sachverständiger und Bauleiter, auch an Großprojekten tätig. Er hält themenbezogene Fachvorträge und bietet als Dozent Inhouse – Schulungen im Bereich Feststellanlagen und Feuerschutztüren und Einbruchschutz an. Er ist zudem Zertifizierter Sachverständiger für den vorbeugenden Brandschutz.

Kontakt: info@sv-fassbender.de